Wunschdenken

Gestern wieder eine Therapiesitzung gehabt. Ich habe dem Therapeuten erzählt, dass ich mich im Moment etwas verloren fühle. Es steht in nächster Zeit einiges an und ich kann selbst eigentlich nicht viel machen. Ich warte derzeit darauf, dass ich in der anderen Tagesklinik aufgenommen werde. Dann weiß ich natürlich nicht, wie lange es dauert, bis ich aufgenommen werde und wie lange ich dann dort bleiben werde. Danach ist die Frage: wie geht’s mir? Bin ich weiter krankgeschrieben oder kann ich mir einen neuen Job suchen? Die Eigenheimsuche läuft nach wie vor und das weiterhin schleppend, es gibt momentan einfach nicht viel und dann reissen sich die Leute natürlich drum. Und mein Kinderwunsch ist natürlich auch noch aktuell. Jetzt werde ich bald 34 und wir sind immernoch nicht wirklich in der Planung.

Und da hänge ich halt momentan in den Seilen. Der Therapeut meinte gestern, ich solle für mich eine Entscheidung treffen und sie meinem Freund mitteilen, also quasi: “Für mich ist jetzt der Zeitpunkt um schwanger zu werden!”. Ihn also vor vollendete Tatsachen stellen. Er fragte dann auch, was wäre, wenn ich jetzt schwanger würde, ob er dann bei der Haussuche doch Kompromisse eingehen würde. Das kann ich natürlich nicht beantworten. Ich weiß nur für mich, dass ich nicht schwanger werden möchte, bevor wir ein Eigenheim haben, denn ich weiß wie anstrengend so ein Umzug ist und dann müsste ja evtl. auch noch was umgebaut werden und das möchte ich mir weder schwanger noch mit Neugeborenem antun. Und hier in der Wohnung ist einfach kein Platz für ein Baby. Der Therapeut wollte mir gestern weismachen, dass so ein Baby ja keinen Platz braucht, das sehe ich aber anders, auch ohne überviel Trara braucht man einiges an Platz und den haben wir hier einfach nicht. Also haben wir mit Haus und Baby schon zwei “Projekte” bei denen ich selbst eigentlich nicht wirklich was voranbringen kann.

Der nächste Punkt ist dann natürlich der Job: ich habe selbst in guten Zeiten immer recht lange gebraucht, bis ich in einem neuen Job so richtig drin war. Und nun hab ich seit Jahren immer wieder depressive Episoden, bin seit einem dreiviertel Jahr krankgeschrieben, wurde in der Arbeit immer wieder Opfer von Mobbing. Da hab ich natürlich eh schon eine gewisse Angst davor. Und dann hab ich im Hinterkopf, dass wir evtl. doch irgendwann ein Haus finden und umziehen, das bedeutet eben nochmal mehr Stress und dann bin ich mir schon fast sicher, dass mir das dann zuviel würde. Da kommt also wieder mein Katastrophendenken zum Vorschein.

Der Therapeut meinte, dann müsste ich also das Haus und das Baby in der Prioritätenliste nach hinten schieben, weil ich eben wenig selbst dafür tun kann und dann quasi erstmal nen Job suchen, wenn ich gesund bin. Klingt ja alles ganz einfach, aber ich will halt seit Jahren schon endlich meine Familie gründen, das bekomm ich nicht so einfach aus dem Kopf und schiebe es nach hinten. Das lässt mich einfach nicht los. Ist das so schwer zu verstehen? Klar kann man das alles schön systematisch analysieren, aber deswegen brennt es mir trotzdem in der Seele.

Ich sehe für mich momentan einfach kaum Handlungsspielraum, aber viele Baustellen und komme seit einigen Tagen aus diesen Gedanken auch nicht mehr wirklich raus. Mein Schatz hört sich das an, sagt aber nicht viel dazu. Das Haus kommt, wenn es kommt und schwanger werden wir “wenn ich gesund bin”. Aber vielleicht ist es ja gerade das, was ich zum Gesundwerden brauche, dass sich dieser Herzenswunsch endlich erfüllt, oder zumindest in Angriff genommen wird. Es ist ja auch nicht gesagt, dass ich sofort schwanger werde, wenn wir es versuchen…






Ängste – Nebenwirkung der Depression oder eigene Erkrankung

Ich stolpere in letzter Zeit immer häufiger über irgendwelche Ängste und frage mich, ob das bei mir mittlerweile schon eine Angststörung ist, oder ob diese Ängste quasi eine Nebenwirkung der Depression sind.

Ich habe seit einem Erlebnis in der Kindheit Angst vor Spinnen, manchmal bekomme ich Platzangst und ich habe Angst vor dem Hinfallen. Im Winter wenn es glatt ist, bewege ich mich daher wie auf rohen Eiern und dann rutscht man ja eigentlich noch eher aus. Das sind jetzt mal die offensichtlichen Ängste, die ich benennen kann.

Nun stößt mich aber meine Schwägerin immer häufiger drauf, dass ich mich in meinem gesamten Leben von der Angst einschränken lasse. Ich nehme das oft garnicht als Angst wahr, sondern vermeide einfach unbequeme Situationen. Ich muss z.B. wegen der Hand ins MRT, da habe ich natürlich nachgefragt, wie das läuft, wie weit ich da reinfahren muss. Da man mir mitgeteilt hat, dass ich da schon mit dem Kopf rein muss, hätte ich mir jetzt einen Termin im offenen MRT in gut vier Wochen geben lassen. Da meinte dann meine Schwägerin, warum ich da so lange warte, es müsste doch auch so gehen. Nun versuche ich es mit einem Beruhigungsmittel im normalen MRT. Ich bin gespannt, ob das funktioniert. Dabei nervt mich aber schon wieder, dass ich dann so stoned bin, dass mich jemand abholen muss und ich den ganzen Tag nicht mehr Autofahren darf. Also was habe ich jetzt dann da gewonnen?

Ich mache mir Sorgen über meinen weiteren Weg im Arbeitsleben, der letzte Arbeitgeber hat mich über Jahre so fertig gemacht, dass ich nun erstmal eine Auszeit brauche. Als die Psychiaterin mich Ende letzten Jahres immer mehr drängte, dass ich mir für Januar einen neuen Job suchen sollte, trieb sie mich damit wieder tief in die Depression. Ich hatte wahnsinnige Angst vor der Jobsuche, den Vorstellungsgesprächen und auch wie es denn dann wäre, wenn ich einen Job bekommen hätte. Was soll ich überhaupt beim Vorstellungsgespräch sagen? Ehrlichkeit oder doch Verschweigen? Wird es dort wieder so wie in der letzten Arbeit? Bin ich überhaupt schon fit genug für eine neue Arbeit? Was ist, wenn ich merke, dass es nicht geht? Traue ich mich dann zu kündigen? Oder bin ich wieder ständig krank und mir wird gekündigt? Was habe ich bisher falsch gemacht, dass ich immer wieder gemobbt werde? Was kan oder muss ich anders machen, damit das eben nicht mehr passiert? Alles Fragen, auf die ich keine Antwort habe. Langsam aber sicher fühle ich mich doch etwas besser und schaue mir auch mal die Stellenangebote an, ob mir vielleicht etwas ins Auge springt. Ich gehe ja hoffentlich noch in die Tagesklinik und werde dann etwas besser mit meinen Problemen umgehen können.

Dann gibt es noch das Problem, dass ich nicht von Zuhause weg kann. Über Nacht zumindest nicht. Das Problem habe ich seit einigen Jahren und es wird eher schlimmer. Ich fühle mich einfach tierisch unwohl, wenn ich woanders schlafen soll. Das geht mir dann aber schon Zuhause so, wenn ich weiß, dass ich demnächst weg soll. Als ich vor gut vier Jahren stationär in die Klinik wollte, hatte ich eine Woche vor dem Aufnahmetermin Zuhause schon sehr schlimmes Heimweh. Ich konnte nicht mehr Schlafen, Essen und habe nur noch geheult. Der Klinikaufenthalt selbst war für mich eine so höllische Erfahrung, die ich nach 26 Stunden abgebrochen habe, dass ich mich jetzt noch schwerer tue, irgendwo anders zu schlafen. Bei meinem Partner zu übernachten viel mir in den letzten Jahren stetig schwerer, ich habe es darauf geschoben, dass meine Katzen nicht da sind und ich die Wohnung einfach nicht schön fand. Meine Übernachtungen dort habe ich nach und nach immer mehr zurückgeschraubt. Mittlerweile wohnt er ja bei mir, da ist das zum Glück weggefallen. Aber ich sollte eigentlich schon mal öfters mit zu seinen Eltern fahren. Ich mag die beiden sehr und sie mögen mich auch, die Gegend dort ist wunderschön und mein Schatz versucht alles, um mir den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Und doch fahre ich sehr selten mit, meistens nur, wenn ich wirklich nicht auskomme, zu Geburtstagen z.B. Ich werde aber auch häufig krank, wenn so ein Besuch ansteht, das kann schon kein Zufall mehr sein.

Unsere Urlaubsreisen sind auch kompliziert, ich fahre mit ihm einmal im Jahr für eine Woche in Urlaub, länger geht nicht. Der Urlaub kann noch so schön sein, ich liege dann cocktailschlürfend am Strand und denke mir “Hach, in drei Tagen darfst Du wieder heim!” Wie dämlich ist das denn? Ich liebe das Meer, Sandstrand und andere Länder. Ich bin immer total neidisch, wenn ich auf Facebook die Urlaubsbilder von meinen Freunden sehe, aber ich bekomme es einfach nicht auf die Reihe. Und ich weiß halt auch nach jahrelanger Therapie nicht, was eigentlich genau das Problem ist. Ich gehe ja tagsüber auch raus, fahre viel mit dem Auto, gehe unter Leute, ins Stadion, zum Einkaufen etc., alles kein Problem, aber wenn ich dann über Nacht weg soll, ist es stets ein Drama, zumindest innerlich für mich.

Erst heute ist mir im Fitness-Studio wieder was aufgefallen: momentan ist ja das Trainieren an den Slings total in. Man hängt sich da mit Armen oder Beinen in diese Schlaufen und stemmt dann quasi sein eigenes Körpergewicht nach oben oder vorne und wieder zurück. Das sollte ich im Reha-Sport vor ein paar Monaten auch mal versuchen. Also Hinstellen, Arme rein, mit den Füßen nach hinten gehen und sich auf die Arme in den Schlaufen stützen. Ich hab es versucht und bekam sofort Panik, hatte das Gefühl, ich würde hinfallen. Gut, nachdem ich im Fitness eh lieber an Geräten als am Seilzug oder so etwas trainiere, stört es mich jetzt nicht grossartig. Aber wieder so ein Angstgefühl. Es nervt langsam!

Ich habe in der letzten Arbeit so lange “durchgehalten”, weil ich Angst davor hatte, was ist wenn ich kündige. Oder bin oft in die Arbeit gegangen, obwohl es gesundheitlich eigentlich nicht gegangen wäre, aus Angst, ich würde gekündigt werden. Nach meiner Strafversetzung vor sieben Jahren habe ich nicht gekündigt, weil ich erst kurz vorher eine Staatsbediensteten-Wohnung bezogen habe und dann Angst hatte, ich wäre dann arbeits- und obdachlos. So schnell geht das jetzt auch wieder nicht, aber ich hatte diese Angst. Dann wollte ich mir einen anderen Job suchen und hatte Angst, dass mich eh keiner nimmt, weil ich ja jetzt so lange im öffentlichen Dienst war. Und als es dann in der Arbeit so schlimm wurde, dass mir eigentlich klar war, dass ich dort aufhören muss hatte ich Angst, dass ich einem neuen Job, sollte ich denn überhaupt einen bekommen, gar nicht gewachsen bin und dass ich in der Probezeit schon wieder so viel krank sein würde, dass man mich sowieso nicht übernimmt.

Also was ist das nun? Ängste, die durch die Depression kommen, bzw. durch das jahrelange Nicht-drauf-hören geschürt wurden oder ist das schon eine Angststörung? Wie soll ich damit umgehen?






Tagesklinikwechsel

Ich habe mich nun doch nach dem vierten Tag in der Tagesklinik entschlossen, die Behandlung dort abzubrechen und mich in der anderen Tagesklinik anzumelden. Der Dienstag war dermaßen für die Katz: Morgenrunde (10 Minuten), dann über eine Stunde warten, bis man bei der Visite dran ist (die dauerte dann doch fast 15 Minuten), danach Medikamente abholen, dann fast anderthalb Stunden warten auf das Mittagessen, danach Abschiedsrunde und ab nach Hause. Für was bin ich jetzt nochmal aufgestanden?

Ich habe mich dann nachmittags bei der anderen Tagesklinik und der Psychiaterin erkundigt, ob sie Erfahrungen mit dem Wechsel der Tagesklinik hätten. Die Tagesklinik meinte, ich solle mich dort ganz normal anmelden, die Ärztin verwies mich an die Krankenkasse. Bis ich bei der Krankenkasse angerufen habe, war die zuständige Abteilung nicht mehr da, also am nächsten Morgen gleich um acht dort angerufen. Die Abteilung Krankenhaus meinte, das würde gehen und hat mich in die Abteilung Krankengeld verbunden, da das natürlich auch ein wichtiges Thema ist. Nicht, dass die dann sagen: “Sie wollen ja garnicht gesund werden, jetzt gehen sie halt arbeiten!”. Aber auch dort ist es kein Problem, die aktuelle AU geht ja noch zwei Wochen, sollte ich dann noch nicht in der neuen Klinik aufgenommen sein, müsste ich halt von der Ärztin nahtlos eine weitere AU einreichen. Das klingt ja soweit alles gut. Nun habe ich also der einen Tagesklinik mitgeteilt, dass ich dort nicht mehr hingehen werde, da mir das Konzept nichts bringt, dann bei der Ärztin Bescheid gegeben und ihr das Anmeldeformular für die andere Klinik gebracht und den Patientenfragebogen online ausgefüllt. Morgen werde ich nachfragen, ob meine Anmeldung eingegangen ist und dann hoffe ich, dass die mich aufnehmen und es mir wieder so gut hilft wie vor vier Jahren.






Erwartungen

So, heute den dritten Tag in der Tagesklinik hinter mich gebracht und ich bin sowas von genervt. Ich hätte mich da vorher intensiver mit beschäftigen sollen. Ich habe mir eine intensive Gesprächstherapie und vielleicht auch neue Ansichten und Lösungen erhofft. Nun habe ich gleich am ersten Tag meinen Plan bekommen, es gibt nur ein Einzelgespräch und ein Gruppengespräch pro Woche. Die restliche Zeit bummelt man meistens vor sich hin, viel Kreativtherapie, die ich aber zur Zeit wegen den Schmerzen in den Händen kaum mitmachen können werde. Und wahnsinnig viele Pausen zwischendrin, bisher war ich eigentlich vielmehr mit Warten als mit was anderem beschäftigt.

Ich bin mir jetzt total unschlüssig, was ich nun machen soll: weitermachen, weil es ja etwas ist, dass ich nicht kann, also wenn etwas nicht so läuft, wie ich es gerne hätte oder abbrechen und schauen, ob ich nochmal in München in die Tagesklinik komme. Der Therapeutin und der Ärztin habe ich es schon gesagt, dass ich etwas komplett anderes erwartet und mir gewünscht hätte und dass ich nicht weiß, ob das hier etwas für mich ist. Es ist einfach zum Kotzen, da wartest Du neun Wochen auf etwas und dann ist es überhaupt nicht das, was man sich vorgestellt hat. Das schlägt natürlich total auf meine Laune, ich bin gerade so dermaßen sauer, dass ich mich selbst nicht ausstehen kann.

Wie geht die Therapie weiter?

Gestern die letzte Therapiesitzung – vorerst – gehabt, in zwei Tagen geht es nämlich los in der Tagesklinik. Nachdem ich letzte Woche erkältungsbedingt absagen musste, hätten wir einiges zu besprechen gehabt, sollte man denken. Aber es war wieder eine ganz seltsame Stunde. Ich hab nacheinander alle Themen, die mich in den letzten zwei Wochen beschäftigt haben angesprochen und natürlich auch erzählt, dass ich am Donnerstag in die Tagesklinik gehe. Aber irgendwie kam da nicht wirklich was rum. Der Therapeut hatte sich eigentlich für diese Stunde notiert, dass wir über den Folgeantrag für die restlichen 25 Stunden sprechen, da wir von den zuletzt genehmigten 15 Stunden nur noch drei übrig haben. Er meinte dazu, wir müssten uns halt wegen dem Übergewicht was überlegen, denn falls der Therapieantrag wieder zum Gutachter geht, wird dieser wohl nicht durchgehen, wenn ich da nichts mache. Ich finde das total schwachsinnig, ja ich bin stark übergewichtig, ich nehme aber seit einem guten halben Jahr kontinuierlich ab. Und ich habe wirklich andere und wichtigere Probleme als mein Gewicht. Umso besser es mir psychisch geht, umso mehr purzeln die Pfunde und da gibt es wirklich einige Sachen, die ich in Ordnung bekommen möchte, da ist mein Übergewicht für mich total nachrangig.

Ende letzten Jahres hat der Therapeut mir diese “Problematik” vom Gutachter schon einmal gesagt, ich habe dann etwas drüber nachgedacht und auch nach einer Selbsthilfegruppe für Adipositas in meiner Gegend geschaut, es gäbe sogar eine direkt ums Eck. Aber was es bringen, wenn ich mich da jetzt reinsetze, wenn ich das Problem derzeit überhaupt als solches ansehe bzw. es für mich total nachrangig ist? Das habe ich den Therapeuten gestern auch gefragt, ob ich mich da einfach mal reinsetzen soll und schauen, ob es was bringt. Er meinte dazu, das würde wohl nichts bringen. Er hat mich aber auch wieder irgendwie falsch verstanden: bei ihm kam irgendwie an, ich hätte keine Zeit um mich ums Abnehmen zu kümmern, das habe ich aber so weder gesagt noch gemeint. Zeit hätte ich in den letzten Monaten genug gehabt, aber es ist mir einfach nicht wichtig. Ich möchte von der Psyche her einfach stabil werden, hoffe, dass der Körper sich dann auch wieder bessert, v.a. die ständigen Schmerzen und wenn das soweit ist, kann ich mich intensiv ans Abnehmen machen. Es ist ja nicht so, dass ich nicht sowieso Sport mache und abnehme, 13 Kilo sind meiner Meinung nach nicht zu verachten.

Jetzt sitze ich also recht gespannt da und warte, was sich in der Tagesklinik so ergeben wird. Der Therapeut meinte, ich solle doch mein Übergewicht dort auch auf die Agenda setzen. Will er es nicht verstehen? Naja, egal, anderthalb Tage hab ich noch Zeit, mir das zu überlegen. Morgen werd ich mir schon ein paar Notizen machen, was ich ansprechen oder ändern möchte. Ich gehe da jetzt mal ganz unbedarft rein, Vorgespräch gab es diesmal keines. Nur gestern den Anruf, dass ich drei Tage später starten kann. Ich komme da direkt in die Gruppe in die Morgenrunde. Ich weiß diesmal also garnichts im Vorfeld, wie groß die Gruppen sind, was genau alles im Plan steht, wie lange ich normalerweise dort sein werde, sowohl täglich als auch insgesamt. Ich bin sehr gespannt, psychisch bin ich momentan ja eigentlich auf dem aufsteigenden Ast und fühle mich normalerweise im Alltag sehr wohl. Aber ich weiß auch, wie schnell das kippen und ins Gegenteil umschwenken kann.

Träume

Zur Zeit sind die Nächte wieder sehr anstrengend für mich. Ich habe zwar zum Glück höchst selten richtige Albträume und von meiner ehemaligen Arbeit träume ich auch nicht mehr. Aber für mich ist es irgendwie immer anstrengend, wenn ich nach dem Aufwachen noch weiß, was ich geträumt habe. Ich fühle mich dann nicht erholt und so als hätte ich die Zeit, die ich geträumt habe überhaupt nicht geschlafen.

Die Art der Träume ist dabei immer gleich: ich würfele wild alle möglichen Personen, Zeiten und Orte durcheinander und tue dabei ganz normale, alltägliche Sachen. Ich sitze z. B. mit einer Kindergartenfreundin, die ich schon ewig nicht mehr gesehen habe und einer Kollegin von einer früheren Arbeitsstelle und meinem Bruder in einem Garten beim Grillen. Mehr passiert da nicht, aber wenn ich dann aufwache, fühle ich mich total unausgeruht und müde. Seit einigen Wochen habe ich dieses bewusste Träumen fast jede Nacht. Normalerweise passiert das eher, wenn es mir psychisch nicht gut geht, aber in dieser Hinsicht geht es mir derzeit deutlich besser. Ich weiß also nicht wirklich, warum ich zur Zeit so viel träume und natürlich auch nicht, was ich dagegen machen könnte. Ich habe schon von luzidem Träumen gehört und kann mir auch gut vorstellen, dass das wirkt und dass ich das erlernen könnte. Aber was soll ich denn in diesen Träumen verändern wollen? Es passiert ja eigentlich nichts und vor allem nichts Schlimmes. Ich will mich nur nicht an diese ganze Träumerei erinnern, denn dann fühle ich mich erholter. Ich schlafe zur Zeit auch immer nur sehr wenige Stunden am Stück, meistens nicht einmal mehr als drei Stunden am Stück. Dass ich ein, zwei Mal pro Nacht wach werde stört mich normalerweise nicht, das bin ich seit zwanzig Jahren gewohnt, aber ich schlafe zur Zeit auch wieder schlecht ein. Momentan ist es so, dass ich aufwache, wenn mein Freund aufsteht und auch wach bleibe, bis er eine dreiviertel Stunde später aus dem Haus geht. Meistens frühstücke ich dann und lege mich dann wieder hin. Bis vor einigen Wochen bin ich dann relativ bald wieder eingeschlafen und bin dann gegen zehn aufgestanden. Mittlerweile brauche ich ewig, bis ich nochmal für ein oder zwei Stundenschläfchen einschlafe. Ich bin aber so hundemüde, dass ich auch nicht aufstehen will. Damit bringe ich aber auch wieder alles durcheinander, es ist dann doch immer eher Mittag, bis ich aufstehe. Ich bin aber abends trotzdem müde und gehe ins Bett, als wäre ich “normal” aufgestanden.

Morgen habe ich wieder einen Termin bei der Hypnosetherapeutin, vielleicht kann sie mir in dieser Hinsicht irgendwie helfen.

Auf Wiedersehen 2017

So, bald ist es soweit, das Jahr 2017 ist vorbei! Zeit, um mal kurz zurück zu schauen auf das vergangene Jahr. Was war denn so los? Anfang des Jahres habe ich mich mit meinem (Jetzt)Verlobten erst richtig übel gezofft, um ihm klar zu machen, dass ich so nicht mehr weitermachen will. Ich wollte die Beziehung schon lange auf die nächste Stufe bringen und war unglücklich mit dem Stillstand. Wir haben uns dann ausgesprochen und sind seither auf Eigenheimsuche. Seit Sommer sind nun auch verlobt, aber auch hier hat es schon ziemlichen Nachdruck von mir gebraucht. So weit, so gut.

Gesundheitlich war das Jahr ziemlich bescheiden, um es noch vorsichtig auszudrücken. Ich habe immer wieder seelische Tiefs, die zuletzt wieder immer schlimmer wurden. Körperlich geht es mir auch nicht gut, der Darm richtig sich ziemlich an der Psyche aus, ist es hier schlecht, ist es dort auch schlecht. Hinzu kommen die ständigen Schmerzen, die seit der Reha im Frühsommer kaum wieder weggegangen sind. Klar, gibt es auch bessere Tage, aber was würde ich für nur einen einzigen schmerzfreien Tag geben! Ständig ist irgendwas, sei es der Bauch, die Knie, der Rücken, der Kopf oder die Hände. Und keine Medikamente, die das zumindest mal kurzfristig unterbinden würden. Der Gang zur Schmerzklinik war eigentlich ein schlechter Witz, den hätte ich mir sparen können. So heißt es jetzt also einfach weitermachen, hoffen, dass es besser wird und mich immer wieder selbst aufraffen, trotz der Schmerzen was zu tun. In den letzten Tagen hatte ich schon das Gefühl, dass meine Beziehung ziemlich gelitten hat, es war eine sehr komische Stimmung zwischen uns.

Ansonsten gilt es für mich weiterhin den schmalen Grat zwischen “Ich schaue auf mich, höre auf mich und mache dieses und jenes jetzt eben nicht, weil es mir nicht gut tut!” und “Ich lebe mein Leben weiter, als wäre nichts, bis ich wieder zusammenbreche!” zu finden und ihn bestmöglich auszunutzen. Denn momentan verkrieche ich mich viel und denke eben, dass ich dieses und jenes lasse, weil es mir nicht gut tut, aber genau das tut auf Dauer meiner Beziehung nicht gut. Und wahrscheinlich tut es mir auch nicht so gut, wie ich manchmal denke. Wenn ich mich dann doch mal zum Sport aufgerafft habe, geht es mir doch tatsächlich an diesem und dem nächsten Tag besser! Und ich habe auch in letzter Zeit wieder gemerkt, wie sehr ich es genieße unter Leuten zu sein.

Im neuen Jahr will ich auch meine Psychotherapie optimieren, ich bin mit meinem Therapeuten einfach nicht zufrieden, so wie es in diesem Jahr lief und muss mich endlich mal trauen, ihm das auch so zu sagen, damit es besser werden kann oder wir eben getrennte Wege gehen. Der Aufenthalt in der Tagesklinik steht ja auch noch an.

Arbeitsmäßig hat sich endlich was geändert, nachdem ich in der Reha darauf gekommen bin, dass ich wirklich von der Arbeit so krank geworden bin und dort nicht mehr arbeiten kann, wenn ich jemals wieder gesund werden will. Nun bin ich also seit einem halben Jahr krankgeschrieben und der Arbeitgeber hat mir gekündigt, mit Ablauf diesen Jahres bin ich den Job also auch auf dem Papier los. Ich spüre seit gestern auch eine sich langsam einstellende Erleichterung. Vielleicht kann ich dann bald wirklich den altbewährten Haken hinter diese Station meiner Laufbahn setzen und endlich befreit nach vorne blicken!

Also 2017, Du warst aufschlussreich, aber leider überwiegt aus jetziger Sicht etwas das Negative. 2018, Du darfst bitte besser werden!

Bin ich wirklich krank und warum heule ich eigentlich?

Vorhin habe ich einer WhatsApp-Grunde von ebenfalls Betroffenen diesen Link erhalten: https://www.google.de/amp/m.faz.net/aktuell/wirtschaft/psychiater-dogs-raet-nicht-sofort-zum-therapeuten-15333439.amp.html. Dieser Arzt sagt, die meisten Ärzte und Therapeuten machen die Leute kränker als sie sind oder überhaupt krank, auch wenn sie es garnicht sind. Die Diagnosen Depression oder Angststörung würde heutzutage also viel zu schnell gestellt und Medikamente und Therapien verschrieben. Ich bin in dieser Hinsicht immer noch ziemlich zwiegespalten: bin ich also vielleicht garnicht krank oder zumindest nicht so krank, wie ich es denke? Bringt die Therapie vielleicht garnichts? Medikamente gegen die Depressionen nehme ich sowiewo keine. Bei meiner Therapie bin ich momentan wirklich unzufrieden, irgendwie kommt mir da zu wenig rum. Das habe ich auch mit meinem Therapeuten schon mal irgendwie besprochen, er meinte, von mir kommt nichts, bzw. zu wenig Initiative etwas zu ändern. Darüber mache ich mir schon häufig Gedanken. Am Anfang der Therapie bei diesem Therapeuten hatten wir wirklich einige Aha-Erlebnisse, habe verschiedene Sachen ausprobiert und ich bin oft mit einem guten Gefühl aus der Therapiestunde gegangen, ich habe Neues von mir erfahren und konnte manches vielleicht besser verstehen. Nun ist es so, dass ich das Gefühl habe wir sprechen irgendwie immer über dasselbe. Meine Probleme sind dass ich mich schnell unverstanden und gekränkt fühle, schnell hochgehe und schlecht wieder runterkomme bzw. garnicht verzeihen kann. Das kostet mich alles wahnsinnig viel Kraft und dann fühle ich mich schwach, bin noch leichter reizbar und irgendwann kommt dann diese immense Traurigkeit.

An dieser habe ich zur Zeit stark zu knabbern. Ich sitze Zuhause und fange auf einmal an zu heulen, meistens weiß ich garnicht wirklich warum. Manchmal heule ich, weil ich mich irgendwie einsam fühle, obwohl ich ja Menschen um mich rum habe. Oft heule ich, wenn ich ein trauriges oder Liebeslied höre oder wenn im Fernsehen etwas sehr schönes gesagt wird, eine Liebeserklärung zum Beispiel, dann heule ich, weil ich das Gefühl habe, dass ich sowas nicht habe und aber so gerne hätte. Zur Zeit weine ich auch oft um mich selbst, weil es mir so schlecht geht, ich täglich starke bis extreme Schmerzen habe und einfach mal wieder ein paar schmerzfreie und schöne Tage erleben will. Seit ein paar Wochen weine ich auch oft wegen meiner Oma, momentan fehlt sie mir so sehr. Ihr Todestag ist ziemlich genau drei Jahre her. Ich versuche mich manchmal genauer an meine Kindheit zu erinnern, ich glaube, ein “Ich hab Dich lieb” habe ich von meinen Eltern nie gehört. Sie haben uns geliebt und tun es immernoch, das weiß ich, aber diese wörtliche Bestätigung gab es glaube ich nie. Das macht mich irgendwie auch traurig und nun heule ich schon wieder. Mein Vater hat mich letztens am Friedhof auf der Beerdigung seines Onkels das erste Mal richtig in den Arm genommen und mir seine Hand ins Gesicht gelegt, um mich zu trösten. Das war ein sehr schönes Gefühl, aber auch irgendwie seltsam, ich bin jetzt 33 Jahre alt und erfahre so etwas zum ersten Mal! Ich erwarte oder wünsche mir von den Menschen um mich rum manchmal anscheinend so viel und bekomme es nicht, weil ich es auch nicht aussprechen und einfordern kann. Ich weiß aber auch nicht, ob es realistisch ist, was ich manchmal gerne hätte.

Nun zurück zum Anfangssatz: bin ich nun also krank oder einfach nur traurig und/oder überfordert? Wer sagt mir das oder besser: wie finde ich das heraus? Es bleibt echt schwierig, zumal auch die Fachärzte oft zu wenig sind und ich auch immer erstmal ein paar schlechte erwische, bis ich zu einem guten Arzt komme. Wenn mir jemand glaubhaft erklären kann, warum gerade ich jetzt im Moment dieses eine bestimmte Medikament nehmen soll, würde ich ja sogar wieder Antidepressiva nehmen, aber dieses ins Blaue einfach ne Pille versuchen wie vor sieben Jahren mache ich nicht mehr. Während der Einnahme habe ich das ja garnicht so sehr gemerkt, aber im Nachhinein ist mir meine zwischenzeitliche Wesensänderung aufgefallen und ich finde es nach wie vor einfach furchtbar, was diese Medikamente mit mir gemacht haben!

Traurigkeit und Schmerzen

In den letzten Tagen geht es mir nicht gut, ich bin wahnsinnig traurig, schlafe schlecht, habe körperliche Schmerzen, weine auch sehr viel. Ich habe auch irgendwie das Gefühl, dass mir alles zuviel ist. Aber was ist denn momentan “alles”? Ich bin krankgeschrieben, das leidvolle Arbeitsverhältnis endet in drei Wochen, mein Verlobter unterstützt mich und ich warte auf Rückmeldung der Tagesklinik, in die ich in einigen Wochen gehen werde.

Also eigentlich könnte ich mich doch auf mich konzentrieren, machen was mir gut tut und etwas positiver in die Zukunft blicken. Aber das schaffe ich derzeit nicht, ich fühle mich einsam, obwohl ich es nicht bin. Ich habe Angst, obwohl es keinen Grund dazu gibt und ich bin traurig. Ja, die Vorweihnachtszeit kann schon auch anstrengend sein, wobei ich diesen Stress nicht mitmache. Ich kaufe nur wenige Geschenke, Plätzchenbacken mache ich in Ruhe, wenn ich Lust dazu habe und das Schmücken der Wohnung macht mir Spaß und geht schnell. Was mich aber jeden Tag mehr und mehr einholt ist ein Gefühl der Traurigkeit und irgendwie auch ein Gefühl des Verlorenseins. Mir graust es schon seit Wochen vor den Feiertagen, weil ich ja eigentlich jeden sehen will und es aber irgendwie immer schwierig ist. Und ich bin entweder unterwegs oder allein Zuhause. Ich wäre so gern mit meinem Verlobter an Heiligabend zu zweit und würde den Rest auf mich zukommen lassen. Das steht aber nicht zur Debatte, er fährt wie immer zu seinen Eltern, hat mich natürlich wieder eingeladen mitzufahren. Da gibt es dann schon die ersten Probleme: ich gehe nicht in die Kirche, also würde ich da schon wieder zwei Stunden alleine in fremder Umgebung am heiligen Abend rumsitzen. Dann hat mein Neffe am 25.12. Geburtstag und ich möchte natürlich vor Ort sein, würde also dann schon am nächsten Morgen oder Mittag wieder Richtung Nachhause fahren. Am heiligen Abend selbst treffe ich mittlerweile meist am Nachmittag meinen Bruder samt Familie, dort fahre ich mit meiner Mama hin. Danach war ich ein paar mal bei meinem Vater zum Essen eingeladen, letztes Jahr aber zum Beispiel nicht. Letztes Jahr habe ich meine Mutter zu mir zum Essen eingeladen, ich hatte gerade Streit mit meinem Verlobten und war nicht besonders gut drauf, meine Mutter war auch nicht so gut drauf, es war also ein eher trauriger Abend mit vielen Tränen. Das muss ich so auch nicht mehr haben.

Naja, jetzt sind es heute also noch zwei Wochen bis Weihnachten, mir geht es sowieso schon länger nicht gut und ich heule seit gestern mehr und mehr. Manchmal weiß ich warum, meistens aber nicht. Und die Aussicht auf Weihnachten drückt immer mehr und mehr auf meine Stimmung. In meiner Familie sind die meisten eher verplant und kurzentschlossen. Ich werde also auch nicht so bald einen Plan haben, auf den ich mich dann mental irgendwie einstellen kann, sondern versuche derweil meine Ängste vor diesen Tagen irgendwie unten zu halten und dann das was kommt so gut es geht zu genießen.

Momentan dreht sich irgendwie die Spirale wieder nach unten. Mir geht es nicht gut, ich verkrieche mich etwas mehr. Doch das auf der Couch und im Bettliegen ist ja jetzt auch nicht sehr förderlich. Zudem habe ich wieder mehr und mehr Schmerzen, Kopfschmerzen täglich, die sich teilweise auch nach Migräne anfühlen, Schmerzen in den Fingern und Händen, wo keiner weiß, warum und was man dagegen machen kann. Zudem kommen jetzt wieder vermehrt, Rücken-, Nacken- und Knieschmerzen. Und nichts, was hilft! Ich würde ja gerne Sport machen, fühle mich dazu aber zu schwach und habe zu große Schmerzen. Ich gehe ja unter Leute, zur Zeit haben wir viele Weihnachtsfeiern, die mir auch Spaß machen, dabei merke ich die Schmerzen auch kaum. Danach geht es mir aber umso schlechter. Ich bin körperlich und mental total k.o. und habe wahnsinnige Schmerzen. Dann bereue ich dann schon fast, dass ich zu der Feier gegangen bin.

Morgen habe ich einen Termin bei der Hypnosetherapeutin, sie hat mir vor einiger Zeit schon einmal geholfen. Da ging es mir aber nicht so schlecht wie derzeit. Ich hoffe, sie kann morgen etwas lösen und mir helfen.

Deckel drauf?

Momentan passiert mir wieder etwas, das ich schon lange kenne: erst geht es mir richtig dreckig, dann wenn sich irgendetwas geändert hat und ich mich besser fühle, mache ich irgendwie wieder nen Deckel drauf und versuche so zu tun, als wäre nichts und mir ginge es gut. Zuletzt hatte ich ja wieder sämtliche Symptome meiner Depression, Heulkrämpfe, Unruhe, Darmbeschwerden, ich konnte nicht mehr unter Leute gehen etc. Nun habe ich ja die Ärztin um eine Einweisung in die Tagesklinik gebeten, diese hat sie auch ausgestellt und schon dorthin gefaxt, ich warte jetzt darauf, dass die Tagesklinik sich bei mir meldet. Das wird aber wohl noch dauern, Aufnahmezeit ist derzeit 6-8 Wochen, also frühestens Anfang nächsten Jahres. Das heißt aber natürlich im Umkehrschluss, dass ich bis dahin noch krankgeschrieben bleibe, anders würde es ja keinen Sinn machen, wenn ein Klinikaufenthalt geplant ist. Somit ist das Damoklesschwert über mir erstmal weg. Mir geht es von Tag zu Tag besser, wenn auch lange noch nicht gut. Und seit zwei Tagen merke ich schon mein altbewährtes Verhalten des “Deckel drauf machens” wieder. Ich fühle mich jetzt besser und damit das im Moment so bleibt mache ich auf mein Gefühlschaos den Deckel drauf, bis der Überdruck ihn dann irgendwann wieder runterschleudert und alles rauskommt.

Das kenne ich schon seit Jahren von mir. Ich dachte eigentlich, ich wäre mittlerweile weiter und würde an meinen Problemen arbeiten und dieses Verhalten ist ja jetzt nicht unbedingt eine gute Problemlösung. Ich hätte heute einen Termin bei meinem Therapeuten gehabt und seit gestern ständig überlegt, was ich heute mit ihm besprechen könnte. Und es ist mir ums Verrecken nichts eingefallen. Am Anfang der Therapie lief es wirklich gut, wir hatten einige für mich komplett neue Ansätze und haben meiner Meinung nach Fortschritte gemacht, irgendwann geriet es dann mehr und mehr ins Stocken. Nach der Reha war wieder etwas mehr Bewegung drin aber zur Zeit fällt es mir schon wieder schwer. Den Termin heute habe ich abgesagt, ja ich bin auch wirklich erkältet, hätte aber wohl schon zur Therapiestunde gehen können.

Ich weiß zur Zeit schon wieder selbst nicht, was ich am besten machen kann, damit ich voran komme. Dieser Druck zuletzt war für mich unerträglich und ich habe ja schon länger gespürt und gesagt, dass ich noch nicht soweit bin, mir wieder Arbeit zu suchen. Durch die Aussicht, nochmal in eine Tagesklinik zu gehen, habe ich natürlich einige Wochen an Zeit gewonnen, aber irgendwann wird es dann so weit sein, dass ich mir wirklich einen Job suchen muss. Ich hoffe, ich bin dann bereit dafür.

Nun aber zurück zum Thema: dieser wahnsinnige Druck ist abgefallen, die Symptome der Depression lassen nach und anstatt dass ich das Ganze jetzt befreiter in die Hand nehme und an mir arbeite, mache ich unbewusst wieder den Deckel drauf und habe gerade keinen sinnvollen Zugang zu meinen Problemen. Klar ist dieses befreite Gefühl momentan wirklich angenehm, aber ich weiß ja, dass da etwas ist, das bearbeitet werden will und muss. Wie kann ich dem also entgegenwirken? Ich will ja auch an mir arbeiten, ich möchte wissen, was genau meine Probleme sind und wie ich mit diesen umgehen soll oder wie ich zukünftigen Konflikten vorbeugen kann oder sie besser durchstehe, wenn sie doch wieder auftreten. Aber irgendwie macht mein Unterbewusstsein gerade dicht, hat ja früher schon so gut geklappt! Bis es wieder zu viel wurde…

Und das will ich nicht mehr, ich will nicht, dass es mir wieder zuviel wird! Ich will mein Leben in den Griff bekommen, ich will es in die Hand nehmen und gestalten. Wir sind gerade auf der Suche nach einem Eigenheim, seit Sommer verlobt und wollen uns wirklich ein gemeinsames Leben aufbauen. Und dafür möchte ich fit sein, für mich, für meinen Schatz und auch für die Kinder, die wir planen.

Also was kann ich nur tun, dass ich endlich mal dauerhaft vorankomme? Ich hoffe so sehr, dass der Aufenthalt in der Tagesklinik hilft. Der Aufenthalt vor vier Jahren hat mir einiges klar werden lassen, ich hoffe, das wird diesmal genauso und dass dort die für mich richtigen Therapeuten am Werk sind, die mir vielleicht so manches rauskitzeln, was ich sonst so gern verstecke.