Druck

Momentan fühle ich mich wieder jeden Tag schlechter. Ich bin jetzt nach der Reha fast fünf Monate Zuhause. Mein Arbeitsvertrag läuft noch bis 31.12., solange wird mich die Ärztin auch noch krankschreiben. Darüber hinaus aber wohl nicht, ich kenne die Ärztin jetzt seit drei Monaten, sie hat mich in dieser Zeit drei Mal gesehen und vierwochenweise krankgeschrieben. Ich sage ihr die ganze Zeit schon, dass dieses Arbeitsthema bzw. diese Arbeitsstelle für mich noch längst nicht abgeschlossen ist, auch wenn es ja schon ein Enddatum gibt und ich dort nicht mehr hin muss. Momentan ist das Arbeitszeugnis aktuell, ich habe eines angefordert, damit ich mich bewerben kann, mit der ersten Version bin ich nicht zufrieden, nun liegt meine Änderung beim Arbeitgeber vor und ich hoffe, dass die das jetzt so unterschreiben und dann zumindest hier Ruhe ist. Dann fliessen aber auch noch ein paar Gelder in den nächsten Monaten, ich schulde dem Arbeitgeber die Zwangsversicherung seit Juni und einige Stunden Arbeitszeit, die müssen mir Weihnachtsgeld und im Januar dann auch meinen Urlaub auszahlen. Das sind alles belegbare Tatsachen, aber auch ohne diese bin ich einfach mit dieser Arbeit noch nicht “fertig”. Ich habe mich nun sieben Jahre dort quälen lassen und selbst gequält und laut der Ärztin soll ich da nun einfach einen Haken hinter setzen und mich auf die Jobsuche machen, damit ich im Januar wieder irgendwo arbeite. “Sie wissen ja jetzt, wann es nicht geht und können dann ja wieder kündigen!” war ein Satz, den sie im ersten zweiten Termin gesagt hat. Schön, dann bauen wir mal auf diesem Satz auf: ich weiß jetzt schon, dass ich mich momentan nicht auf Jobsuche begeben kann, also müsste ich ja jetzt schon die Reißleine ziehen und eben keinen Job suchen, oder?

Ich habe seit einer Woche Bauchschmerzen, teilweise auch wieder Durchfall, kann mich mal wieder nur hauptsächlich von Huhn, Kartoffeln und weißem Brot ernähren. Ich sitze teilweise hier Zuhause und fange einfach an zu heulen und weiß nicht mal, warum. Und wann hat das angefangen? Richtig, als ich meinen Lebenslauf neu geschrieben habe, ging es mir schon echt nicht gut, dann war wieder etwas Ruhe. Nun hatte ich eine Aufforderung zur Bewerbung über die Jobbörse und habe eine Bewerbung dorthin geschickt, ich habe nämlich auch schon wieder Angst, was passiert, wenn ich mich einfach nicht bewerbe…

Seit diese Bewerbung raus ist, geht es mit meinem Befinden steil bergab. Ich schlittere meiner Meinung nach gerade wieder volle Kanne in die Depression. Unter Menschen habe ich  mittlerweile auch wieder so meine Probleme, zuviel Lautstärke und zu viel Durcheinandergerede machen mich total fertig, überfordern mich tierisch und ich bekomme schon richtig Fluchtreflexe. Jetzt habe ich das alles ja neben der Ärztin auch meinem Therapeuten schon seit Wochen gesagt, der sich immer noch nicht sicher war, ob ich nun wirklich nicht kann oder nur nicht will und deswegen nicht kann. Ende letzter Woche war es dann soweit, dass ich die Stunde bei ihm eigentlich nur durchgeheult habe und ihm gesagt habe, was ich jetzt wieder alles an Symptomen habe, und jetzt glaubt er mir wohl, dass ich wirklich noch nicht so weit bin, mich auf die Arbeitssuche zu begeben. Wegen der Ärztin meinte er, es wäre sehr gut, dass ich den Termin auf diese Woche vorverlegt habe, aber falls diese sich weiter nicht überzeugen lässt, bleibt mir nur, mir einen anderen Arzt zu suchen und zu hoffen, dass dieser mir glaubt. Das ist wie ich heute festgestellt habe, nicht so einfach, wie ich dachte, Psychiater gibt es hier in der Umgebung kaum und dann nehmen sie momentan oder wenigstens so schnell keine neuen Patienten auf.

Nun sitze ich seit vier Tagen hier und überlege, was ich am Donnerstag wie zu meinem Therapeuten gesagt habe, dass mir dieser endlich glaubt. Genau das müsste ich ja auch der Ärztin vermitteln, aber mir fällt nicht viel ein, was ich diesmal anders gemacht habe, außer dass ich überhaupt nicht mehr zu heulen aufgehört habe, sonst habe ich nur zwischendrin mal geweint. Der Therapeut hat mir auch gesagt, ich müsste der Ärztin ein anderes Bild “anbieten”, also dass nicht nur alleine diese Arbeit sondern eben etwas anderes Schuld an meiner Depression ist, das eben über den 31.12. noch besteht. Aber ich weiß wirklich nicht, was oder wie ich der Ärztin noch mitteilen soll. Ich bin absolut ehrlich und habe in den drei Gesprächen mit ihr auch immer das Gefühl gehabt, dass sie mich versteht, bis auf dieses Ultimatum, dass sie mir da setzt.

Und genau das ist es, ein Ultimatum, welches sie mir von August an schon irgendwie gesetzt hat, aber man hofft und erwartet ja eigentlich auch, dass es einem in einer gewissen Zeit besser geht, oder der Arzt eben auch sieht, dass die Besserung noch nicht eingetreten oder so weit fortgeschritten ist, wie man ursprünglich dachte. Nun sind es noch sechs Wochen und ich fühle mich immer mehr so, als würde sich das Damoklesschwert über mir täglich um ein paar Milimeter weiter senken und ich bekomme nicht nur Angst, wie sie die Ärztin und der Therapeut ja diagnostiziert haben und die ich quasi mit “und jetzt erst recht” bekämpfen soll, sondern entwickle auch wieder alle meine depressiven Symptome. Und genau da wollte ich doch nicht mehr hin! Ich will mein Leben und meine Gesundheit in den Griff bekommen und wenn das heißt, dass ich noch ein paar Wochen oder Monate Zuhause brauche, dann ist das eben so! Wozu haben wir in Deutschland die hohen Krankenkassenbeiträge, die 78 Wochen Krankengeldzahlung, wenn ich jetzt schon stetig drum betteln muss, weiter krank sein zu dürfen? Dieser ewige Druck, der momentan wieder auf mir lastet, macht doch alles nur wieder schlimmer! Selbst wenn ich jetzt sage, ach scheiß drauf, dann bist Du im Januar eben arbeitslos, da kommt ja der nächste Druck: das Arbeitsamt will Termine und bei diesen Terminen Resultate, also Bewerbungen sehen, das Geld ist eigentlich auch viel zu wenig. Und das soll ich alles über mich ergehen lassen, obwohl ich doch weiß, dass ich eigentlich gesundheitlich noch gar nicht kann?! Sogar mein Körper schreit ja schon wieder “STOP”, indem er mir Bauchweh und Durchfall beschert.

Ich finde die Situation echt zum Kotzen und in Gedanken grüble ich ständig, was ich der Ärztin in drei Tagen sagen kann, dass sie mir glaubt und dieses Ultimatum außer Kraft setzt. Ich will endlich gesund werden, aber so wie es momentan alles läuft, wird das wohl so schnell nichts.






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