Deckel drauf?

Momentan passiert mir wieder etwas, das ich schon lange kenne: erst geht es mir richtig dreckig, dann wenn sich irgendetwas geändert hat und ich mich besser fühle, mache ich irgendwie wieder nen Deckel drauf und versuche so zu tun, als wäre nichts und mir ginge es gut. Zuletzt hatte ich ja wieder sämtliche Symptome meiner Depression, Heulkrämpfe, Unruhe, Darmbeschwerden, ich konnte nicht mehr unter Leute gehen etc. Nun habe ich ja die Ärztin um eine Einweisung in die Tagesklinik gebeten, diese hat sie auch ausgestellt und schon dorthin gefaxt, ich warte jetzt darauf, dass die Tagesklinik sich bei mir meldet. Das wird aber wohl noch dauern, Aufnahmezeit ist derzeit 6-8 Wochen, also frühestens Anfang nächsten Jahres. Das heißt aber natürlich im Umkehrschluss, dass ich bis dahin noch krankgeschrieben bleibe, anders würde es ja keinen Sinn machen, wenn ein Klinikaufenthalt geplant ist. Somit ist das Damoklesschwert über mir erstmal weg. Mir geht es von Tag zu Tag besser, wenn auch lange noch nicht gut. Und seit zwei Tagen merke ich schon mein altbewährtes Verhalten des “Deckel drauf machens” wieder. Ich fühle mich jetzt besser und damit das im Moment so bleibt mache ich auf mein Gefühlschaos den Deckel drauf, bis der Überdruck ihn dann irgendwann wieder runterschleudert und alles rauskommt.

Das kenne ich schon seit Jahren von mir. Ich dachte eigentlich, ich wäre mittlerweile weiter und würde an meinen Problemen arbeiten und dieses Verhalten ist ja jetzt nicht unbedingt eine gute Problemlösung. Ich hätte heute einen Termin bei meinem Therapeuten gehabt und seit gestern ständig überlegt, was ich heute mit ihm besprechen könnte. Und es ist mir ums Verrecken nichts eingefallen. Am Anfang der Therapie lief es wirklich gut, wir hatten einige für mich komplett neue Ansätze und haben meiner Meinung nach Fortschritte gemacht, irgendwann geriet es dann mehr und mehr ins Stocken. Nach der Reha war wieder etwas mehr Bewegung drin aber zur Zeit fällt es mir schon wieder schwer. Den Termin heute habe ich abgesagt, ja ich bin auch wirklich erkältet, hätte aber wohl schon zur Therapiestunde gehen können.

Ich weiß zur Zeit schon wieder selbst nicht, was ich am besten machen kann, damit ich voran komme. Dieser Druck zuletzt war für mich unerträglich und ich habe ja schon länger gespürt und gesagt, dass ich noch nicht soweit bin, mir wieder Arbeit zu suchen. Durch die Aussicht, nochmal in eine Tagesklinik zu gehen, habe ich natürlich einige Wochen an Zeit gewonnen, aber irgendwann wird es dann so weit sein, dass ich mir wirklich einen Job suchen muss. Ich hoffe, ich bin dann bereit dafür.

Nun aber zurück zum Thema: dieser wahnsinnige Druck ist abgefallen, die Symptome der Depression lassen nach und anstatt dass ich das Ganze jetzt befreiter in die Hand nehme und an mir arbeite, mache ich unbewusst wieder den Deckel drauf und habe gerade keinen sinnvollen Zugang zu meinen Problemen. Klar ist dieses befreite Gefühl momentan wirklich angenehm, aber ich weiß ja, dass da etwas ist, das bearbeitet werden will und muss. Wie kann ich dem also entgegenwirken? Ich will ja auch an mir arbeiten, ich möchte wissen, was genau meine Probleme sind und wie ich mit diesen umgehen soll oder wie ich zukünftigen Konflikten vorbeugen kann oder sie besser durchstehe, wenn sie doch wieder auftreten. Aber irgendwie macht mein Unterbewusstsein gerade dicht, hat ja früher schon so gut geklappt! Bis es wieder zu viel wurde…

Und das will ich nicht mehr, ich will nicht, dass es mir wieder zuviel wird! Ich will mein Leben in den Griff bekommen, ich will es in die Hand nehmen und gestalten. Wir sind gerade auf der Suche nach einem Eigenheim, seit Sommer verlobt und wollen uns wirklich ein gemeinsames Leben aufbauen. Und dafür möchte ich fit sein, für mich, für meinen Schatz und auch für die Kinder, die wir planen.

Also was kann ich nur tun, dass ich endlich mal dauerhaft vorankomme? Ich hoffe so sehr, dass der Aufenthalt in der Tagesklinik hilft. Der Aufenthalt vor vier Jahren hat mir einiges klar werden lassen, ich hoffe, das wird diesmal genauso und dass dort die für mich richtigen Therapeuten am Werk sind, die mir vielleicht so manches rauskitzeln, was ich sonst so gern verstecke.






2 Gedanken zu „Deckel drauf?“

  1. Hey,Gib dir die Zeit die du brauchst ich kenne es auch,immer dann wenn du meinst nunja stehen wir uns immer selbst im Weg,Ich leide seid Jahren darunter ich kenne dieses auf und ab,es geht voran manchmal nur mm weisse,aber es geht von Tag zu Tag und es wird besser glaub nur an dich und deine Kraft auch wenn du glaubst du hast keine,du redest oder besser schreibst darüber Du bist auf dem weg .

  2. Vielen Dank für Deinen Kommentar! Ich rede viel drüber, bzw. ich versuche es, aber momentan hab ich das Gefühl mit meinem Therapeuten festzustecken.

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