Erwartungen

So, heute den dritten Tag in der Tagesklinik hinter mich gebracht und ich bin sowas von genervt. Ich hätte mich da vorher intensiver mit beschäftigen sollen. Ich habe mir eine intensive Gesprächstherapie und vielleicht auch neue Ansichten und Lösungen erhofft. Nun habe ich gleich am ersten Tag meinen Plan bekommen, es gibt nur ein Einzelgespräch und ein Gruppengespräch pro Woche. Die restliche Zeit bummelt man meistens vor sich hin, viel Kreativtherapie, die ich aber zur Zeit wegen den Schmerzen in den Händen kaum mitmachen können werde. Und wahnsinnig viele Pausen zwischendrin, bisher war ich eigentlich vielmehr mit Warten als mit was anderem beschäftigt.

Ich bin mir jetzt total unschlüssig, was ich nun machen soll: weitermachen, weil es ja etwas ist, dass ich nicht kann, also wenn etwas nicht so läuft, wie ich es gerne hätte oder abbrechen und schauen, ob ich nochmal in München in die Tagesklinik komme. Der Therapeutin und der Ärztin habe ich es schon gesagt, dass ich etwas komplett anderes erwartet und mir gewünscht hätte und dass ich nicht weiß, ob das hier etwas für mich ist. Es ist einfach zum Kotzen, da wartest Du neun Wochen auf etwas und dann ist es überhaupt nicht das, was man sich vorgestellt hat. Das schlägt natürlich total auf meine Laune, ich bin gerade so dermaßen sauer, dass ich mich selbst nicht ausstehen kann.






Wie geht die Therapie weiter?

Gestern die letzte Therapiesitzung – vorerst – gehabt, in zwei Tagen geht es nämlich los in der Tagesklinik. Nachdem ich letzte Woche erkältungsbedingt absagen musste, hätten wir einiges zu besprechen gehabt, sollte man denken. Aber es war wieder eine ganz seltsame Stunde. Ich hab nacheinander alle Themen, die mich in den letzten zwei Wochen beschäftigt haben angesprochen und natürlich auch erzählt, dass ich am Donnerstag in die Tagesklinik gehe. Aber irgendwie kam da nicht wirklich was rum. Der Therapeut hatte sich eigentlich für diese Stunde notiert, dass wir über den Folgeantrag für die restlichen 25 Stunden sprechen, da wir von den zuletzt genehmigten 15 Stunden nur noch drei übrig haben. Er meinte dazu, wir müssten uns halt wegen dem Übergewicht was überlegen, denn falls der Therapieantrag wieder zum Gutachter geht, wird dieser wohl nicht durchgehen, wenn ich da nichts mache. Ich finde das total schwachsinnig, ja ich bin stark übergewichtig, ich nehme aber seit einem guten halben Jahr kontinuierlich ab. Und ich habe wirklich andere und wichtigere Probleme als mein Gewicht. Umso besser es mir psychisch geht, umso mehr purzeln die Pfunde und da gibt es wirklich einige Sachen, die ich in Ordnung bekommen möchte, da ist mein Übergewicht für mich total nachrangig.

Ende letzten Jahres hat der Therapeut mir diese “Problematik” vom Gutachter schon einmal gesagt, ich habe dann etwas drüber nachgedacht und auch nach einer Selbsthilfegruppe für Adipositas in meiner Gegend geschaut, es gäbe sogar eine direkt ums Eck. Aber was es bringen, wenn ich mich da jetzt reinsetze, wenn ich das Problem derzeit überhaupt als solches ansehe bzw. es für mich total nachrangig ist? Das habe ich den Therapeuten gestern auch gefragt, ob ich mich da einfach mal reinsetzen soll und schauen, ob es was bringt. Er meinte dazu, das würde wohl nichts bringen. Er hat mich aber auch wieder irgendwie falsch verstanden: bei ihm kam irgendwie an, ich hätte keine Zeit um mich ums Abnehmen zu kümmern, das habe ich aber so weder gesagt noch gemeint. Zeit hätte ich in den letzten Monaten genug gehabt, aber es ist mir einfach nicht wichtig. Ich möchte von der Psyche her einfach stabil werden, hoffe, dass der Körper sich dann auch wieder bessert, v.a. die ständigen Schmerzen und wenn das soweit ist, kann ich mich intensiv ans Abnehmen machen. Es ist ja nicht so, dass ich nicht sowieso Sport mache und abnehme, 13 Kilo sind meiner Meinung nach nicht zu verachten.

Jetzt sitze ich also recht gespannt da und warte, was sich in der Tagesklinik so ergeben wird. Der Therapeut meinte, ich solle doch mein Übergewicht dort auch auf die Agenda setzen. Will er es nicht verstehen? Naja, egal, anderthalb Tage hab ich noch Zeit, mir das zu überlegen. Morgen werd ich mir schon ein paar Notizen machen, was ich ansprechen oder ändern möchte. Ich gehe da jetzt mal ganz unbedarft rein, Vorgespräch gab es diesmal keines. Nur gestern den Anruf, dass ich drei Tage später starten kann. Ich komme da direkt in die Gruppe in die Morgenrunde. Ich weiß diesmal also garnichts im Vorfeld, wie groß die Gruppen sind, was genau alles im Plan steht, wie lange ich normalerweise dort sein werde, sowohl täglich als auch insgesamt. Ich bin sehr gespannt, psychisch bin ich momentan ja eigentlich auf dem aufsteigenden Ast und fühle mich normalerweise im Alltag sehr wohl. Aber ich weiß auch, wie schnell das kippen und ins Gegenteil umschwenken kann.






Träume

Zur Zeit sind die Nächte wieder sehr anstrengend für mich. Ich habe zwar zum Glück höchst selten richtige Albträume und von meiner ehemaligen Arbeit träume ich auch nicht mehr. Aber für mich ist es irgendwie immer anstrengend, wenn ich nach dem Aufwachen noch weiß, was ich geträumt habe. Ich fühle mich dann nicht erholt und so als hätte ich die Zeit, die ich geträumt habe überhaupt nicht geschlafen.

Die Art der Träume ist dabei immer gleich: ich würfele wild alle möglichen Personen, Zeiten und Orte durcheinander und tue dabei ganz normale, alltägliche Sachen. Ich sitze z. B. mit einer Kindergartenfreundin, die ich schon ewig nicht mehr gesehen habe und einer Kollegin von einer früheren Arbeitsstelle und meinem Bruder in einem Garten beim Grillen. Mehr passiert da nicht, aber wenn ich dann aufwache, fühle ich mich total unausgeruht und müde. Seit einigen Wochen habe ich dieses bewusste Träumen fast jede Nacht. Normalerweise passiert das eher, wenn es mir psychisch nicht gut geht, aber in dieser Hinsicht geht es mir derzeit deutlich besser. Ich weiß also nicht wirklich, warum ich zur Zeit so viel träume und natürlich auch nicht, was ich dagegen machen könnte. Ich habe schon von luzidem Träumen gehört und kann mir auch gut vorstellen, dass das wirkt und dass ich das erlernen könnte. Aber was soll ich denn in diesen Träumen verändern wollen? Es passiert ja eigentlich nichts und vor allem nichts Schlimmes. Ich will mich nur nicht an diese ganze Träumerei erinnern, denn dann fühle ich mich erholter. Ich schlafe zur Zeit auch immer nur sehr wenige Stunden am Stück, meistens nicht einmal mehr als drei Stunden am Stück. Dass ich ein, zwei Mal pro Nacht wach werde stört mich normalerweise nicht, das bin ich seit zwanzig Jahren gewohnt, aber ich schlafe zur Zeit auch wieder schlecht ein. Momentan ist es so, dass ich aufwache, wenn mein Freund aufsteht und auch wach bleibe, bis er eine dreiviertel Stunde später aus dem Haus geht. Meistens frühstücke ich dann und lege mich dann wieder hin. Bis vor einigen Wochen bin ich dann relativ bald wieder eingeschlafen und bin dann gegen zehn aufgestanden. Mittlerweile brauche ich ewig, bis ich nochmal für ein oder zwei Stundenschläfchen einschlafe. Ich bin aber so hundemüde, dass ich auch nicht aufstehen will. Damit bringe ich aber auch wieder alles durcheinander, es ist dann doch immer eher Mittag, bis ich aufstehe. Ich bin aber abends trotzdem müde und gehe ins Bett, als wäre ich “normal” aufgestanden.

Morgen habe ich wieder einen Termin bei der Hypnosetherapeutin, vielleicht kann sie mir in dieser Hinsicht irgendwie helfen.