12
Mai
2017

Enttäuschung2

Bei all dem wenigen, das ich bisher lernen durfte, habe ich die Enttäuschung am wenigsten verkraftet.
Erst recht, wenn sie so hart und plötzlich auf mich nieder knallt, wie heute.
Meine Seele wurde von diesen, wie ich dachte ehrlichen Worten gestreichelt.
Ich habe geglaubt auf irgendeine Art und Weise besonders zu sein.
Einmal mit mir , mit meinem Selbst, meiner Art und Weise überzeugen zu können.
Seine Worte, die ich nie hören, aber immer zu lesen durfte, haben etwas an mir zum heilen gebracht.
Und es tat so gut mal keinen Haken zu sehen.
Ich habe ihn oft gefragt, wenn auch aus Spaß, ob ich ihm glauben schenken kann.
Habe oft über seine Antwort gegrübelt und ihm dann mein Vertrauen geschenkt. All das ohne jemals in seine Augen geguckt zu haben.
Und mein Kopf spielte bereits diesen Film, mit der wunderschönen Musik, den ich immer schärfer sehen und immer klarer verstehen konnte.
Die Szenen stoppten nie. Niemals. Tag und Nacht. 40 Mal.
40 Auf- und 40 Untergänge dieses wundersamen Feuerballs vor meiner Tür.
Und dieses unglaubliche Gefühl, diese Stahldecke, die mir heute auf den Kopf gescheppert ist und alle Wolken um mich herum zu Pfützen erdrückt hat, hat ein so schier unglaubliches und schmerzhaftes Gefühl in mir geweckt.
Es spielt keine Rolle, wer den Vorhang gezogen hat, vielmehr, dass er gefallen ist und ich nicht im Ansatz auf das Ende der Vorstellung gefasst war.
Diese Worte klangen auf einmal so anders. So als hätte man mich angelogen und ausgenutzt.
Ich will ihm aber nichts schlechtes wünschen.
Die gesamte Zeit hat Spaß gemacht und war zum Ende hin aufgrund seines Verhaltens einfach quälend.
Die Gewissheit sollte sich eigentlich besser anfühlen, doch das tut sie nicht.
Denn die Hoffnung ist mit ihr gestorben.
Es hat nicht sollen sein. Es hat ja eigentlich nicht einmal begonnen, aber diese Zweifel in mir zwingen mich an mir zu nagen. Mich in Frage zu stellen.
Ich habe Angst vor der Nacht, die jede Sekunde beginnt.
Ich habe Angst den Gedanken ertragen zu müssen, das es ihm gut geht, er seelisch mit dieser mir Unbekannten schreibt und lacht und von ihr träumt, während es mir so schlecht geht.
Ich gönne ihm all sein Glück, ich versuche es.
Aber irgendwie will es mir nicht so recht gelingen und das ist das, was mich am meisten von allem enttäuscht.






14
April
2017

Tausend Persönlichkeiten0

Es fällt mir schwer los zu lassen und zufrieden zu sein.
Es fällt mir schwer alles was ich bin als eine Einheit zu sehen.
Es fühlt sich so an, als würde ich wie der Regen aus tausend kleinen Tropfen bestehen, aber trotzdem immer nur eines sein. Immer nur im Singular. Der Regen, nicht die.
Die Tropfen prasseln hinab auf die Erde, so wie ich. Ich stehe hier, beide Beine am Boden, fühle mit meinen Füßen den Grund. Und jeden Tag hinterlasse ich eine feuchte Spur, die in der Sonne, im Wandel der Zeit verblasst und verschwindet.
Dann steigt das Wasser wieder hinauf und alles beginnt von vorn.
Ich starte auch jeden Tag neu, fühle immer anders, entscheide mich.
Nur eine Sache fällt mir besonders schwer.
Zu welcher Art gehöre ich?
Extrovertiert, laut, gesellig, fröhlich, lustig, abenteuerlich, sozial, waghalsig?
Nachdenklich, leise, in mich gekehrt, einsam, langsam, vernünftig?
Warum entscheiden stets die Personen um mich herum, wer ich bin?
Warum werde ich in Schubladen gesteckt? Strukturiert? Aussortiert? Bewertet?
Bin ich nicht von allem irgendwie ein bisschen? Oder wünsche ich mir nur manchmal anders zu sein?
Ich bin ein sehr gezwungener Mensch, ich schmachte nach der Sympathie Anderer, ich gebe mich laut und treffe scheinbar undurchdachte Entschlüsse, doch letztendlich ist mir alles was ich tue bewusst und klar.
Was nicht bedeutet, dass ich mich selbst immer verstehe.
Ich habe Angst vor dem Zusammenkommen, aber noch mehr fürchtet mich der Abschied.
Von mir selbst verlange ich nicht, mich zu finden, meine Blase, meinen Fleck.
Aber in einer glücklichen Welt, trotz Krieg, trotz Hunger und Armut, in einer glücklichen Welt, möchte ich auch erfahren, wie es ist, wenn man nicht Regen ist, der kommt und geht, den man braucht, aber niemand vermisst, sondern eine Sonne. Sonne, die mit ihren Strahlen den Raum erhellt, nach der man sich sehnt. Die egal was sie tut majestätisch auf ihrem Firmament thront. Die zufrieden ist in jeder Sekunde in der sie scheint, immer.
Die ein Teil der Sterne ist, die funkeln, Stunde um Stunde.






30
Januar
2017

0

Jetzt liege ich in meinem Bett. Es ist still. Einzig das leise Rauschen meines Laptops und das Tastentippen ist zu hören.
Ich genieße es. Ich genieße diesen Moment der Einhalt.
Zufriedenheit war mir lange ein Fremdwort. Das will gelernt sein. Glaube an Sich will gelernt sein.
Doch mittlerweile tue ich das.
Vielleicht nicht so sehr, wie ich eigentlich könnte, aber die Erwartungshaltung mir gegenüber hat sich geändert.
Denn ich bin an dem Punkt angelangt, an dem ich weiß, dass ich von mir etwas erwarten kann.  Auch das muss man üben.
Es ist nicht so, dass ich mir schon immer was zugetraut habe. Dass ich überzeugt war, etwas schaffen zu können.
Momentan allerdings, da strotze ich nur so vor Tatendrang.
Das Ziel habe ich fest im Blick. Welches?
Naja, sobald ich es versuche in Worte zu verpacken, verpufft es in der Luft.
Es ist mein Ziel. Mein Persönliches und das werde ich mit niemanden teilen, denn dann wäre es nur eine leere These und Erwartungshaltung von Anderen an mich.
Ich bin geflogen, gekrochen, gefallen und gelaufen über meine kleine, ganz private Straße und befinde mich endlich nicht mehr in der Sackgasse, die man mir als den richtigen Weg verkaufen wollte.
Morgen wird ein neuer Tag anbrechen, eigentlich wird das jedes Mal passieren, ob ich hier bin oder nicht.
Doch nun bin ich mir der Endlichkeit dieses “Morgens” bewusst.
Es ist nicht immer einfach, aber es ist auch nicht immer nur schwer.
Jeder hat sein Päckchen und jeder lernt damit umzugehen.
Nie wird jemand mehr an mich glauben, als ich es selbst tun könnte.
Und nie wird jemand zufriedener mit mir sein, als ich.
Das was in mir steckt, dass kann nur ich benennen und an die Oberfläche tragen, das weiß ich jetzt.
Wenn ich gleich meine Augen schließe, dann bin da nur noch ich.
Ich. Ich. Ich.
Und es ist meine Zeit, die ich mit dem Grübeln und dem zweifeln verschwende und damit will ich aufhören.
Jetzt und hier.
Es wird nicht immer klappen, aber auch das ist okay, denn ohne Angst und Überlegung, keine Motivation.
Ich mag mich. Das ist wichtig. Und ich glaube an mich, noch viel wichtiger.

 






4
Dezember
2016

Ein Leben lang und ich kenne dich kaum0

Ich weiß gar nicht, wie aus mir ein so optimistischer Mensch werden konnte. Ich habe wirklich keine Ahnung. Denn das bin ich, nur hier lade ich meinen ganzen Ballast ab. Hier schreibe ich, wenn es mir schlecht geht und ich weinen muss, aber nicht will, weil jede Träne verschenkt ist.
Mich wundert nicht, warum ich in der Zeit nicht geschrieben habe, als ich weg war. Weit weit von dieser Wirklichkeit.
Denn das hier, das macht mich krank. In jeder Hinsicht.
Es hat mich so sehr in seinen Fängen, dass ich nicht weiß, ob ich mich sicher fühle, oder ob ich Angst habe.
Grenzerfahrungen waren immer etwas, was mich gereizt hat.
Warum? Weil ich damit aufgewachsen bin?
Weil ich vor Tränen und Angst bewusstlos war?
Es könnte alles so schön nach Zuckerwatte und Gummibärchen schmecken.
Alles könnte im Licht der Sonne zu glänzen beginnen.
Auch du meine Liebste, auch du wärst in der Lage zu strahlen.
Aber deine Fassade ist so grau und abgestumpft und ich bin es einfach leid deine beschädigte Hauswand zu reparieren.
Für dich bin ich wie der Regen. Ich spüle den Dreck von deinen Schultern, aber ich bringe dich auch zum Rosten.
Deswegen grenzt du mich ab und spannst einen Schirm über dich und lässt mich nicht an dich heran.
Aber ich brauche dich. Ich brauche deine Liebe und deine Zuwendung. Dein Interesse. Deinen Stolz.
Ich brauche alles an dir. Ich dachte, dass sei klar. Ich dachte, es sei logisch. Weil, das ist es doch eigentlich, oder?
Sag mir, was habe ich getan? Was hat dich so verletzt?
Warum nimmst du mich nicht bei dir auf und lässt das Wasser in meinem feuchten Haar an deiner Wärme verdunsten? Warum hat scheinbar jeder in deinen Armen Platz nur für mich ist es zu voll?
Wenn du mich ansiehst, mit deinen blauen Augen, da betrachtest du das was vor dir steht, aber nicht das, was es dir zusagen versucht mit Gesten, mit Mimik, mit Emotion
Das für das es keine Worte gibt, kannst du gar nicht empfangen.
Ich will auf dich sauer sein, ich will dich ignorieren und dir zeigen, was du verlierst, aber mir tut es selbst so weh, dir weh zutun, das ich dir nach ein paar Sekunden verzeihe. Alles.
Ich liebe dich, aber müsstest du dich entscheiden, würdest du ohne zu zögern den Finger auf mich richten.
Und jedes Wort, was du sagst, schmerzt.
Und jedes Wort, was du nicht sagst, schmerzt umso mehr.
Es tut mir so leid. Alles tut mir so furchtbar leid. Ich sollte dich noch mehr lieben und noch mehr schätzen. Ich sollte dir den Himmel auf Erden bereiten. Dich auf Händen tragen.
Aber der Hass den du für mich empfindest. Dieses kleine, elende, unterschwellige Gefühl hindert mich trotz der Liebe daran, mich dir hinzugeben, du würdest es ohnehin nicht zu schätzen wissen.
Du würdest mehr und mehr fordern. Du bist auf einer Seite so selbstsüchtig. So ignorant.
Du denkst wir sehen nicht das was du gut machst.
Aber das tun wir, noch mehr ins Auge stechen uns aber die tausend Sachen, die du falsch machst.
Es wäre so einfach. Ich brauche keine Geschenke. Ich brauche keine oberflächliche Unterhaltung. Ich brauche keinen geheuchelten Zuspruch: Ich brauche einfach nur dich.

27
August
2016

Zeitreisen0

Jede Sekunde. Jede Sekunde warst du da. Von Anfang an und irgendwie auch nicht.
Ohne Erwartungen bin ich einfach so in deine Welt getreten. Kannte mich kaum aus, doch mein Weg führte durch dich hindurch und nahm ein Stück von dir mit, dass ich nun behütet in mir trage.
Ich verweilte in dir. Und es war die schönste Zeit meines Lebens.
Du bist nicht meine Liebe. Nicht die, für die dich einige gehalten haben.
Stattdessen bin ich, wie ein Tropfen Wasser in deine hohlen Hände gefallen und du hast mich solange beschützt, bis die Sonne über uns mich verdunsten hat lassen.
Ich verschwand. Ich ging weiter. Ich bin da.
Da, wo du nicht bist, aber dort, wo ich dich finden kann.
Der samtene Weg, gebettet in Verunsicherung und Angst, hat uns gerettet auf eine ganz besondere Weise.
Uns verbunden.
Du bist nicht meine Geliebte, du bist so viel mehr.
Du hast mich verstanden, als ich den größten Wandel meines Lebens gemacht habe. Du hast mich immer nur so gesehen wie jetzt. Nach so kurzer Zeit wurde ich zu einem Menschen, den nur du wirklich kennst und durchschauen kannst.
Deine Freundschaft hat mich geleitet. Durch dieses dunkle Wirr-Warr. Durch diese abgründige Tiefe.
So eine Freundlichkeit habe ich noch nie zu spüren bekommen. Bedingungslos.
Du hattest Recht, als du behauptet hast, dass man sich nicht gegen eine Welle stellen kann.
Dass diese alles einreißen würde. Einen hinfort tragen würde.
Du hattest so Recht, als du sagtest, entweder man springt auf sie drauf oder sie nimmt einen mit, wohin auch immer sie möchte.
Aber ich glaube, ganz fest, dass du jede Welle bezwingen könntest.
Ohne Zweifel.
Das Glück, das wir hatten schmerzt nun.
Ich kann nicht erklären auf welche Art und Weise, kann den Schmerz nicht einordnen.
Traurigkeit ist keineswegs in mir. Bedauern auch nicht, nicht eine Sekunde.
Das Glück macht mir viel mehr Angst.
Angst es verlieren zu können. Angst irgendwann den Wert unserer Zeit nicht mehr zu kennen.
Selten hat mich eine Person so sehr verstanden, wie du es getan hast. Ohne das du viel dafür machen musstest, bin ich dir verfallen.
Auf tausend verschiedene Möglichkeiten.
Als würde es Diamanten regnen; schön, wertvoll und schmerzlich.
Ich vermisse dich- jetzt schon.
Unsere Leichtigkeit. Die Flügel, die wir trugen.
Mit dir an diesem Ort war es zeitlos.
Mein Weg führt an dir vorbei. Diesen Weg gehe nur ich, keiner vor mir, keiner nach mir, ich werde ihn weiter erzwingen. Die Wellen einfach auf mich einschlagen lassen.
Denn weißt du?
Du hast mir gezeigt, dass auf sie drauf springen nicht nötig ist. Einfach, aber nicht das einzig Richtige.
Das was wir hatten, für einen kurzen Augenblick war wie ein tägliches Zeitreisen.
Nicht in ein anderes Jahrhundert, nein, in eine andere Welt.
Eine Welt, die außer uns niemand kennt. Niemand sieht. Niemand fühlt.
Ich schwelge auch auf meinem Pfad in Erinnerungen. Ich fliege hinfort zu diesem Paradies, dass du mir eröffnet hast.
Ich bin nicht traurig, dass ich fort bin.
Ich bin dankbar, dich kennen gelernt zu haben.
Danke, dass du mir gezeigt hast, was sich hinter dem Ende meines Tellers, meiner Reise befindet.
Unsere Welt. Meine Welt. Ausgemalt mit meinen Farben, meinen Facetten, meinen Emotionen. Getränkt im Glück, welches du und die anderen Menschen, die mir wichtig sind geschenkt haben.
Meine Welt ist mein Ziel.
Und ein kleines Stück von dir, dass ich behütet in mir trage, wird Teil dieser Welt sein.

Danke für die schöne Zeit

7
August
2016

Sie sagten0

Ich solle in mich rein horchen. Ich solle heraus finden, wer ich bin.
Und ich horche und horche und gehe immer tiefer und tiefer. Jeden Tag.
Der Strom der Zeit nimmt mich mit. Auf seine Reise. Weil er muss, weil er einfach nicht an mir vorbei ziehen kann. Ich muss mich ihm fügen. Er gibt den Weg und das Ziel vor.
Ich lausche. Nach meinem Atem, aber viel mehr noch nach meinem Gefühl. Und jedes kleine Muskelzucken wird interpretiert und tot gedacht.
Wenn ich nichts fühle, dann bin ich leer.
Wenn ich glücklich bin,  zwinge ich mich es zu genießen. glück wehrt nicht ewig.
Wenn ich weine, dann rüffel ich mich, denn jede traurige Sekunde ist verschwendete Zeit, die ich viel besser mit lachen verbracht hätte.
Ich horche in mich hinein. Sie haben gesagt, dass ich das tun soll.
Ich soll heraus finden, wer ich bin.
Ich komme nicht zur Ruhe, immer diese Fragen.
Und was ist, wenn es falsch ist immer zu wissen, was man will? Was man braucht?
Und was ist, wenn gerade das grübeln danach, wie man sich fühlt, genau der Punkt ist, der entscheidet, wie man ist?
Nicht jeder Tag ist geladen voll Emotion. Nicht jeder Tag ist ausreichend gelebt.
Von dem einen Extrem ins Andere, ist nicht das, was ich anstreben sollte. Und doch, sagen sie es mir.
Zwingen mich dazu. Ich horche und horche und kann nicht aufhören.
Ich denke immer weiter.
Aber eigentlich, wenn ich ehrlich bin, ist da gerade nichts.
Nichts was mich traurig- nichts was mich glücklich macht.
Keine Impulsivität. Nichts.
Und was sagen sie?
Ist das in Ordnung?

20
Juli
2016

iebrov2

Nichts, nichts hat mich vorher so geformt.
In die Welt, nackt und frei von jeglicher Meinung, jeglicher Schuld wurde ich, wurde jeder einzelne Mensch geboren, normalerweise.
Und wer macht sich überhaupt Gedanken darüber, ob es anders sein könnte?
Unschuldig und rein spaziert ein jeder seinen Weg und wird über Wanderwege durch den Wald, über Felder und Wiesen, durch den Großstadtdschungel geleitet.
Gedrängt auf Straßen, die einem unbekannt waren, es auch bleiben sollten.
Verirrt und verlaufen,  über Abkürzungen und Umwegen.
Und irgendwer und irgendwas hat mich hier her geleitet.
Hier, an diesen Ort, an dem man sich dann doch die Gedanken macht, ob wirklich jedes Leben anfangs so unschuldig ist, wie es sein sollte. So unberührt.
Und plötzlich sieht man sich selbst in einem Sternenmeer. Und aus jeder Richtung strahlt ein anderes Licht.
Und erhellt die Dunkelheit, die um einen herum schwelgt.
Dann erst wird einem bewusst, dass alles was leuchtet, in Schwärze getaucht ist.
Man dachte zu wissen, wer man ist, und man betritt diesen Raum, wagt sich einmal über die Türschwelle, die einen bislang vor allem in diesem Zimmer bewahrt hat und taucht ein.
In eine schier zauberhafte Welt.
Grenzenlose Phantasie.
Farben und Licht, und Schwächen, die hier Stärken sind.
Unsicherheit und Traurigkeit, Zweifel und Angst und ganz, ganz, ganz viel Liebe.
Das Wort “vorbei” ergibt nicht ohne Grund rückwärts keinen Sinn.
Denn ein “vorbei”, dass kann man nicht umkehren.
Nicht mit all dem Geld der Welt, nicht mit all der Liebe, der Hoffnung, mit keinem Wunsch auf Erden.
Die eine Welle kommt und wächst und egal wie unbezwingbar sie scheint, sie stürzt ein. Früher oder später.
Diese Zeit ist so fassungslos. Ich wage es nicht, sie in ein Gefäß, in eine Schublade zu füllen, zu stecken.
Sie hat mir keine Erinnerungen beschert, sie hat mich verändert.
Wie es überhaupt irgendwas auf der Welt nur tun könnte.
Ich bin immer noch dieser Stern auf dem glänzendem Tablett.
Immer noch hier, am atmen, am weinen, am lachen.
Versuche dem Wort “iebrov” einen Sinn zu geben, vergeblich.
Es fühlt sich jetzt gerade wirklich nach einem Scherbenhaufen an.
Wie eine Rakete, die in die Luft steigt, langsam und mit unglaublicher Lautstärke.
Hoch oben explodiert und ihre ganze Farbensprenkler in die Welt hinaus sannt.
Und dann erlischt. Auf alle Ewigkeit.
Und man wird sich immer an eine Rakete erinnern, die so hoch in die Luft flog, explodierte. Mit dem pfeifendem Geräusch im Ohr.
Aber niemals an jeden einzelnen Funken, den sie gesprüht hat.
Ich bin gewachsen in all der Zeit, mit den Menschen um mich herum, aber immer noch nicht weise genug um ein “vorbei” einfach so zu akzeptieren.
Es tut unglaublich weh.
Alle Funken sprühen in mein Herz.
Im Augenblick, da bin ich wieder ein leuchtender Ball, der seine eigene kleine Dunkelheit zu erhellen versucht.
Ganz alleine, ohne seine anderen Bällchen, die ihm ohne es zu wissen, mehr gegeben haben, als er ihnen jemals zurück geben kann.
Und auch wenn sie scheinbar nicht so rein auf dieser Welt angekommen sind, so sind sie doch perfekter, als er es sich jemals zu wünschen wage.

17
Juli
2016

Zeit zu Überdenken0

In drei Tagen ist es vorbei. Was sage ich da, eigentlich ist es das schon ab morgen.
Meine Zeit geht zu ende. Die Zeit meines Zweiten Ichs, das hier geborgen und hier sterben wird.
Es fällt mir schwer meine zwei Persönlichkeiten zu komprimieren und einzusehen, dass sie eigentlich eins sind.
Aber dort, 600km weiter weg, da gibt es nur dieses eine Ich und hier gibt es nur das Andere.
Irgendwie sind sie verbunden, aber die Menschen in den jeweiligen Orten, wissen nicht um das Dasein.
Ich will auf keinen Fall wieder in alte Muster verfallen, aber ich möchte auch einfach die Zeit wie zuvor.
Genau davor hatte ich immer Angst.
Deswegen frage ich mich, ob es wirklich so toll ist Menschen an verschiedenen Orten kennen zu lernen.
Ich weiß, dass wenn ich gehe, nichts mehr so sein wird, wie es jetzt ist.
Ich weiß, wenn ich es nicht tue, dann verblasse ich auf der anderen Seite.
Abschiede sind einfach grausam, ich hasse sie. Vor allem, wenn man eigentlich noch so viel vor hatte.
Wie paradox, dass mich eigentlich eine kopflose Entscheidung an diesen tollen Ort, zu diesen tollen Momenten gebracht hat.
Sonst denke ich immer dreitausend mal darüber nach, ehe ich was tue und es dann eh schief geht.
Und jetzt hat mich diese Zeit hier gewandelt, wie es noch nie etwas in meinem Leben tun konnte.
Beim Startschuss, da zählt man immer drei Dinge auf.
Man zählt bis drei.
Alle guten Dinge sind drei.
An diesen Punkt bin ich nun angelangt.
Noch nie war ich so zerrissen, wie an diesen Tagen.
Zwischen Tränen, Lachen und Dankbarkeit.
Diese Zeit war wunderschön. Dieses Leben unendlich leicht.
Diese Kinder, die auf den Straßen beäugt werden, als seien sie Außerirdische, als würden sie gar nicht hier her gehören. Die in einem Gänseblümchen pure Freude erkennen, anstatt lästigem Unkraut.
Die mit ihren offenen Augen in ihre eigene kleine Welt starren, voller Liebe und Erstaunen.
Die Kinder, denen unsägliches Leid angetan wurde, die, hätten sie entscheiden können, nicht hier wären.
Jeder einzelne Schritt, der mehr Vertrauen in die Welt macht.
Jede einzelne Sekunde, die sie mir zeigen, dass ich es eigentlich bin, der geistlich und körperlich eingeschränkt ist.
Ich bringe mich im Startblock auf Position.
Meine Hände stützen sich neben meinem linken Fuß ab.

Auf die Plätze, fertig, los!

23
Juni
2016

Gefunden, aber was?0

In all der Zeit. Zwischen all dem Lachen, unter den Tränen. Hinter der Tür.
In all der Zeit war ich wie ein Fremder.
War ich ideenlos. War ich klein. War ich gefangen. Trotzig. Schmerzerfüllt. Unsicher.
Und dann; Der Hauch des Schicksals küsste mich.
Lies mich los, trieb mich fort.
Ich folgte einem Menschen, der scheinbar wie ich war.
Unbekümmert und schwerelos.
Doch ich irrte. Nicht nur bezüglich des Menschens, sondern vor allem wegen mir.
Ich war nicht leicht, ich flog nicht.
Doch der Grund warum ich hier war, meine Freundin, die das tat .
Sie genoss ihr Leben. Sie gab nichts auf Andere. Sie lebte im hier und jetzt.
Doch ihre Augen blieben stets geschlossen.
Und jemand der die Welt sehen möchte, in all ihrer Pracht, in all ihrer Grausamkeit, der passt nicht zu einem Blinden.
Nun aber war ich hier.
Damit meine ich, in einem Sumpf aus frischen, stinkendem Schlamm.
Der meine Beine immer weiter hoch kroch. Meine Kehle  verschnürte.
Mich vollkommen benebelte mit seinem bestialischem Geruch.
Und niemand war da, der mir eine Hand hin hielt und mich heraus zog.
Ich sehnte mich nach meinem Zuhause, nach dem, was ich zurück gelassen hatte.
Nach einem Sinn. Nach etwas Sicherheit.
Verabscheute jede Sekunde, die ich in diesem ekelerregendem Brei verbringen musste.
Irgendwann jedoch, da lernte ich den Geruch zu ignorieren.
Und es war auch mal ganz angenehm statt auf spitzen Steinen auf einer weichen Masse, die meine Fußsohlen sachte bettete zu stehen.
Doch mit der Sonne, kommt die Trockenheit und mit dieser das Ende des Sumpfes.
Alles verwelkt, alles geht zu Ende.
Der Geruch ist langsam fort und ich beginne ihn zu vermissen.
Und nun stehe ich an diesem Ort, den ich erst verabscheut, dann geliebt und jetzt verloren habe.
Doch nicht nur das.
Auch alles was davor lag, ist irgendwie verschwunden.
Alles wandelt sich. Alles verändert sich .Wächst oder fällt in sich zusammen. Es zirkuliert.
Und auch ich tue es.
Aber gerade erst hatte ich begonnen mich zu bewegen, ehe ich wieder zur Ruhe aufgefordert wurde.
Ich weiß nun, was mich glücklich macht, ich weiß nun, was ich werden möchte, wer ich sein will.
Aber eines das weiß ich auch;  Das der Preis dafür recht hoch war.
Und ich möchte nicht zum Dritten Mal alles verlieren.

14
Juni
2016

0

Und wieder einmal ist die ganze Welt im Fußballfieber.
Wieder schmücken sie ihre Häuser, stellen die Bierbänke nach draußen, sind beisammen und halten die Spannung kaum noch aus.
Lachen und Weinen. Sieg und Niederlage. Alles bittersüß und so nah beieinander.
Und ich, ich sehe die Flaggen an den Autos, die im Winde tänzeln und leise Melodien summen.
Und dann wirft mich der Anblick zurück in eine Zeit, in der ich scheinbar unglücklich und doch glücklicher als jetzt war.
Ein von mir sehr geliebter Mensch stand zu dem Zeitpunkt noch mit beiden Beinen im Leben.
Zumindest wussten wir es nicht besser.
Hätte ich gewusst, dass der Schein trügt, dann hätte ich meine Worte vielleicht anders gewählt, meine Taten besser durch dacht.
Wir haben die bunten Stofffetzen gemeinsam auf dem Weg zur Schule gezählt und dabei tagtäglich einen neuen Rekord aufgestellt.
Damals, da hätte ich niemals erwartet, dass mir diese Erinnerung einmal so viel bedeuten könnte.
Das sie schmerzen kann.
Doch die Zeit hat mich eines Besseren gelehrt.
Die Sekunden waren voran geschritten, ohne dass ich überhaupt die Chance hatte nach ihnen zu greifen.
Und während auch heute noch alle jubeln und feiern, da umfängt mich ein Gefühl von Traurigkeit und Melancholie.
Fasziniert habe ich einst diese Fahnen betrachtet. Die Bewegung mit starrem Blick verfolgt, bis das sie so weit entfernt waren, dass die Farben zu einem schwarzen Punkt vermischt waren.
Nun schaue ich sie an und sie wirken auf mich wie Fenster der Erinnerung.
Das Radio hallte im Hintergrund. Volksmusik. Ebenso das Geschreie meiner Geschwister.

Doch das war egal. Sein lachen nahm den ganzen Raum ein. Faltete ihn auseinander und verzauberte ihn zu einem Konzertsaal.
Man sagte mir, dass Zeit alle Wunden heilen würde, aber nicht, dass das Mittel der Zeit das Vergessen ist.
Und wie die Fahnen zu einem Punkt verschmelzen, so tun es meine Erinnerungen auch.
Sind sie einmal zusammen gefalten, da können sie nur schwer wieder ihre Flügel entknittern.
Und er ist nichts weiter mehr, als etwas, dass es mal gegeben hat, anstatt Jemand, der mit seinem, Lachen berührt.
Zurück bleibt das Vermissen, dass nicht er, sondern alle Hinterbliebenen zu tragen haben, die sich auf ewig fragen werden, wen oder was sie sich herbei sehnen.
Zurück bleibt eine Liebe, die zu nichts und niemanden mehr passt. Nichts und Niemanden gewidmet ist.
Und ein stilles Meer voller Tränen.